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Während dieser Reise haben sich einige Schlüsselerkenntnisse ergeben. Die meisten Analysten sowie die meisten Strategen sind bezüglich der Aussichten für die US-Wirtschaft immer noch recht optimistisch. Es besteht der Eindruck, dass der Abschwung während des Winters vorübergehend und stark witterungsbedingt war. Und im zweiten und dritten Quartal werden wir einen kräftigen Aufschwung erleben. Unserer Ansicht nach werden die Zinsen nicht allzu schnell steigen. Ich glaube, dass die Märkte das erkannt haben und sie halten das Niveau in den USA noch nicht einmal bei 3 %, sondern eher im Bereich von 2,6 % bis 2,7 %. Die Wirtschaft hat noch Leerkapazitäten. Die Löhne und Gehälter erholen sich nicht so schnell. Der US-Wohnimmobilienmarkt steht still, was möglicherweise am Wetter liegt. Meiner Meinung nach ist eine Kombination aus zu geringen Lagerbeständen und Transportproblemen die Ursache. Was die Renditen für US-Hochzinsanleihen angeht, ist die Nachfrage nicht allzu stark beeinträchtigt worden, selbst unter Berücksichtigung der Wirtschaftslage und der Perspektiven auf globaler Ebene. Daher kommt viel Geld ins Land, das eine Rendite sucht, ob bei Kurzläufern oder ganz normalen hochverzinslichen Titeln. Und die erleben eine hohe Nachfrage. So mancher Anleger verfügt sicher auch über hohe Barguthaben. Bei den Bewertungen ist festzustellen, dass diese Faktoren wohl bereits größtenteils vom High Yield-Markt eingepreist wurden. Dabei konzentrieren wir uns relativ stark auf dieses Segment. Die Anfangsrenditen sind jedoch noch relativ attraktiv, insbesondere im Vergleich zum europäischen Markt. In den USA, wo im letzten Jahr ein Ausverkauf bei US-Staatsanleihen stattfand, kann man Renditen von vielleicht 5 %, 6 % und in extremen Fällen sogar 7 % für Titel mit einer B- und CCC-Bewertung bekommen, wenn man bereit ist, die Renditekurve zu verfolgen und ein gewisses Durationsrisiko einzugehen. Dies ist im Vergleich zum europäischen Markt sehr attraktiv, wo die Renditen in Erwartung einer möglichen Geldmengenlockerung seitens der EZB wesentlich komprimierter d. h. niedriger sind. Wir haben in den USA bei unseren Treffen mit vielen Strategen und Analysten sowie Vertriebsleuten zu hören bekommen, dass sie im Allgemeinen derselben Ansicht sind die auch wir vertreten haben (und über die ich bereits in meinem Blog geschrieben habe), und zwar, dass wir von einem Aufschwung in den USA überzeugt sind. Ein Stratege brachte einige historische Beispiele. Er sagte, dass sich in dem Jahr vor und nach den ersten Zinsanstiegen in der Geschichte die Kreditspreads weiter verringert hätten. Wenn die Zinssätze schließlich erhöht werden – der Leitzinssatz, der US-Leitzins und der Leitzins der Bank of England - werde ich die Kreditspreads genau beobachten. Wenn sie sich – hoffentlich – wieder stärker angleichen, werde ich das Geld von den „höherrentierlichen“ Titeln, jenen mit einem höheren Beta, abziehen und in sicherere Unternehmensanleihen mit einem A-Rating investieren. In Bezug auf die Sektoren erkennen wir ebenfalls bestimmte Trends. US-amerikanische Baufirmen z. B. spielen am US-Markt eine große Rolle. Diese haben unserer Ansicht nach nun so ziemlich ihre volle Bewertung erreicht. Dieser Meinung sind auch unsere Kollegen hier in Chicago. Eines der Schlüsselthemen, über die die US-Analysten in den letzten Tagen diskutiert haben, war der Anstieg der Bauvorhaben im Gewerbeimmobilienbereich, also Bürohäuser, Infrastruktur, Straßen usw. Diese Entwicklung wurde durch die gelockerten Kreditstandards vorangetrieben, aber auch durch einen Anstieg der Staatsausgaben, da sich die Haushalte wieder stabilisieren. Davon profitieren im Wesentlichen drei Sektoren. Baustoffe – Zement und andere Baumaterialien. Aber auch Stahl. Stahl spielt bei großen Bauprojekten im gewerblichen Sektor eine sehr große Rolle. Schließlich die Vermietung von Ausrüstung. Viele Baufirmen und Subunternehmer besitzen keine eigene Ausrüstung, sondern mieten sie von großen Spezialunternehmen. Dieser Marktbereich ist besonders attraktiv gewesen, und bei diesen Firmen stiegen die Gewinnspannen und der Cashflow. Sie konnten auch überwiegend Schulden abbauen und ihre Kreditwürdigkeit verbessern. Daher beurteilen die Analysten hier in Chicago diese beiden Sektoren positiv. Im Gegensatz dazu gibt es im Stahlsektor immer noch große Probleme mit den Kapazitäten, insbesondere seitens des undisziplinierten chinesischen CAPEX: Es werden ständig neue Stahlwerke in China gebaut und das Angebot erhöht sich entsprechend. Dies bedeutet, dass trotz des Nachfrageanstiegs das Überangebot und der Überhang in diesem Sektor die Preise niedrig halten. Daher können viele der inländischen Stahlhersteller in den USA einfach nicht den Cashflow erzeugen und die Kapazitätsauslastung erreichen, die sie bräuchten, um ihre Bilanzen zu sanieren. Dies ist für uns also weiterhin ein Bereich, bei dem wir vorsichtig sind. Wir engagieren uns so gut wie gar nicht im Stahlsektor. Andererseits haben wir unser Engagement bei Zementproduzenten und Vermietern von Ausrüstung in den USA erhöht und auf relativ hohem Niveau beibehalten. Einzelhändler sind unter Umständen ein Stück interessanter. Die Renditen sind wesentlich höher, mit ca. 7 %, 8 %. Außerdem bieten sich in diesem Bereich große Chancen bei unter Druck geratenen Unternehmen. Wir werden vielleicht zwei der größten Konkurse am US-Markt für Hochprozenter seit Jahren erleben. Der erste ist TXU. Diesem Unternehmen wird möglicherweise bereits in den nächsten Wochen gemäß Kapitel 11 des amerikanischen Konkursgesetzes eingeräumt werden. Der zweite Fall ist Caesars, eines der größten LBO überhaupt, das unter Umständen einen Teil seine Verbindlichkeiten umschulden muss, vielleicht nicht in diesem Jahr, aber mit ziemlicher Sicherheit im kommenden Jahr. Das sind aktuelle Entwicklungen, die aufmerksam verfolgt werden. Ansonsten geht es dem Markt ziemlich gut, das Handelsgeschehen ist ziemlich konstruktiv. Und die Leute erkennen ein leichtes Aufwärtspotenzial bei den Spreads. Ansonsten sind wir weiterhin recht zufrieden mit unserem Bestand an US-Hochzinsanleihen.