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Die öffentlichen Kapitalmärkte sind ein wichtiger Eckpfeiler der Anlagewelt, und das seit Jahrhunderten. Sie haben das Wirtschaftswachstum angekurbelt, Value und Arbeitsplätze geschaffen. Aus gesellschaftlicher Sicht haben die öffentlichen Aktienmärkte es Anlegern ermöglicht, ihre Ersparnisse zu investieren und am Wachstum der Unternehmen teilzuhaben. Öffentliche Aktienmärkte haben derzeit ein Volumen von etwa 110 Billionen US-Dollar, die öffentlichen Anleihemärkte rund 120 Billionen US-Dollar. Sie bieten Zugang zu liquiden Anlagen, großen Kapitalpools und einer diversifizierten Aktionärsbasis. In der Vergangenheit bedeutete großer Kapitalbedarf den Gang an die Börse. Doch in den letzten 10-15 Jahren ist die Zahl der Börsengänge deutlich zurückgegangen, da sich die Grenzen zwischen öffentlichen und privaten Vermögensmärkten verschoben haben. In der heutigen Zeit bleiben viele Unternehmen länger in privater Hand als früher. Warum ist das so? Fest steht: Wenn man sich anschaut, wie sich die Regulierung der öffentlichen und privaten Märkte entwickelt hat, in den letzten 10 bis 15 Jahren, dann werden die privaten Märkte massiv begünstigt. Es gibt eine regulatorische Arbitrage, und die unabhängigen Akteure brauchen keine ausdrückliche Einladung, um Ressourcen zu verlagern, ihre kreativen Ressourcen, hin zu weniger transparenten, weniger regulierten, renditeträchtigeren Märkten, und genau das geschieht auch. Ich glaube also, dass zumindest ein Grund für die Wachstumsstory diese regulatorische Arbitrage ist. Vor der globalen Finanzkrise waren Banken die wichtigste Quelle, von der Finanzierung von Hypotheken- und Verbraucherkrediten bis zur Bereitstellung von Kapital für börsennotierte Unternehmen. Als sich die Banken zurückzogen, im Nachgang der wirtschaftlichen Krise, ebnete dies einen alternativen Weg, um Finanzmittel zu beschaffen. Dies fiel zusammen mit einer explosionsartigen Entwicklung von disruptiven Technologien. Neu in den letzten 10-15 Jahren war, dass sich diese Entwicklung in einer zunehmend vernetzten Welt abspielte. Und so hat sich in den letzten 10-15 Jahren ein Unternehmertyp entwickelt, der große Probleme adressieren konnte, Zugang zu Milliarden von Verbrauchern hatte und sehr schnell Unternehmen aufbauen konnte, die Milliardenumsätze erzielten. Das gab es in den Jahrzehnten davor so nicht. Wir sehen hier eine organische, grundlegende Veränderung. Wir haben also einen eher positiven, vorteilhaften Kreislauf erlebt, zumindest auf den Private-Equity-Märkten, wo eine massive echte Wertschöpfung stattfindet, die nicht nur auf Bewertungsexpansion zurückgeht. Offensichtlich hat sich hier einiges entwickelt, aufgrund der Wertschöpfung, die reinvestiert wurde und erstaunliche Ökosysteme auf den Private Markets geschaffen hat. Von 2009 bis 2020 erzielten Private Equity beeindruckende Renditen von rund 19 %. Ob sich das wiederholen lässt, ist eine berechtigte Frage, denn es geschah in einer ausgedehnten Niedrigzinsphase. Die Aussichten für diese Renditeniveaus sind jedoch nach wie vor recht hoch, angesichts des raschen technologischen Wandels. Die Frage ist, ob es zu einem zunehmenden Auseinanderdriften der öffentlichen und privaten Anlagewelt kommen wird, oder ob eine Gelegenheit für Investmentmanager entsteht, ein harmonisiertes Ökosystem aus beiden Welten aufzubauen. Ganz am Anfang, in der Entstehungsphase einer Idee, entwickeln sich disruptive Kräfte oft in einem kleineren Rahmen, mit privater Initiative, mit der Möglichkeit, Fehler zu machen und es noch einmal zu versuchen. Das ist für mich die Art von disruptiver Energie, die man überall findet. Manchmal kommt sie auch von öffentlichen Unternehmen, es gibt jedoch viele Beispiele aus dem privaten Sektor. Doch dann muss man diese Initiativen mit Nachdruck unterstützen, man muss sie auf die nächste Entwicklungsstufe heben. Man muss sie wirtschaftlich lebensfähig machen. In Bezug auf die Gesamtbranche kann sich ein aktives Management von börsennotierten Aktien ein Beispiel an der Welt der Private Assets nehmen, wenn es um die Schaffung von Mehrwert bei Unternehmen geht, also um einen dauerhaften „Schutzwall“ um bestimmte Private Assets. Diese gehören ihnen, und sie können sie nicht kurzfristig verkaufen, weil es keine liquiden Werte sind. Sie müssen sich besonders einsetzen, sich engagieren und einen Mehrwert für diese Unternehmen schaffen. Die Chancen, die sich für aktive Investmentmanager bei börsennotierten Aktien bieten, sind der Aufbau langfristiger Partnerschaften mit den Firmen und die Schaffung von Mehrwert, anstatt nur als Verwalter zu agieren. Dies ist ein grundlegender Punkt, an dem die Grenzen zwischen der öffentlichen und privaten Anlagewelt verschwimmen, und die Möglichkeit für den Aufbau eines solchen funktionierenden Ökosystems ist greifbar.