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Hallo. Ich bin Anthony Doyle aus dem Anleihenteam von M&G. Ich befinde mich gerade in Australien, genauer gesagt in meiner Heimatstadt Sydney. Wir alle wissen ja, dass Australien in den letzten 20 Jahren ein hervorragendes Wirtschaftswachstum vorlegen konnte, und zwar hauptsächlich dank der unersättlichen Nachfrage Chinas nach Rohstoffen. Neben dem australischen Häusermarkt hatte diese Entwicklung aber auch beträchtliche Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit sowie den Zustand des Finanzsystems in Australien. Deshalb werde ich mich während Aufenthalts hier einmal umschauen. Mal sehen, was ich herausfinden kann. Das Wirtschaftswachstum Australiens ist in enormem Maße durch den Aufschwung Chinas zur inzwischen zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt beflügelt worden. Denn zufällig verfügt Australien über umfangreiche natürliche Vorkommen genau jener Rohstoffe, die China unbedingt haben möchte. Doch mittlerweile schwächt sich das zuletzt noch zweistellige chinesische Wirtschaftswachstum von von 10 Prozent p.a. auf niedrigere 6 bis 7 Prozent ab – eine Entwicklung, deren Folgen auch Australien schmerzhaft zu spüren bekommen wird. Darüber hinaus wird der Konjunkturabschwung in China auch Auswirkungen auf den australischen Dollar haben, der gegenüber dem US-Dollar zuletzt auf einem Niveau von 88 bis 105 gehandelt wurde. So hat RBA-Chef Stevens bereits angekündigt, dass die australische Währung ausgehend von ihrem aktuellen Wechselkurs von etwa 97 US-Cent in Zukunft vermutlich deutlich abwerten sollte. Unserer Meinung nach steht die australische Wirtschaft derzeit vor einigen großen Herausforderungen. So kehren sich strukturelle Vorzüge inzwischen in strukturelle Nachteile um. Gleichzeitig müssen wir uns die Frage stellen, welche Auswirkungen das aktuelle Niveau des australischen Dollar auf den produzierenden Sektor Australiens hat. Ich stehe hier vor der Reserve Bank of Australia. Momentan steckt die RBA in einer ziemlichen Zwickmühle, denn einerseits wünscht sie sich einen wesentlich schwächeren australischen Dollar und setzt zu diesem Zweck vorzugsweise auf Seelenmassage. Gleichzeitig wird sie aber daran gehindert, die Zinsen zu senken, weil der Immobilienmarkt in Australien bereits zu den teuersten der Welt zählt. Und mittlerweile steigen die Häuserpreise hier sogar noch weiter an. Doch wenn der australische Dollar wirklich abwerten soll, um so die Exporte und das produzierende Gewerbe zu stützen, gelingt dies nur durch eine Senkung des Leitzinses seitens der RBA. Im globalen Vergleich sind die Banken Australiens mit rund 0,4 Bio. US-Dollar derzeit enorm wertvoll. Im Hinblick auf die Marktkapitalisierung waren die australischen Banken im letzten Jahr sogar mehr wert als alle europäischen Banken zusammengenommen. Was den Aktienmarkt betrifft, so repräsentieren australische Bankentitel momentan etwa 30 Prozent des ASX 200-Index. In diesem Zusammenhang überrascht es nicht, dass das inländische Immobiliengeschäft einen großen Teil der Kreditportfolios der Banken ausmacht. Würde es nun verstärkt zu Zahlungsverzügen kommen, etwa weil die Arbeitslosigkeit steigt oder die Zinsen von ihrem aktuellen Niveau von 2,5 Prozent nach oben klettern, so hätte dies schwerwiegende Folgen für die Gewinne der australischen Banken. Es ist wirklich schwierig, nach Australien – und insbesondere in Städte wie Sydney – zu kommen und nicht zu erkennen, wie wichtig den Australiern ihr Eigenheim ist. Ob man nun zu einer Grillparty geht, wo sich alle über die steigenden Preise für die eigenen vier Wände oder für potenzielle Investitionsobjekte unterhalten oder ob sie einfach nur gerne zum ersten Mal selbst eine Immobilie erwerben möchten. Und genau dies hat zu einer neuen Entwicklung geführt, wie Sie sie hier hinter mir sehen können... Als ich Australien vor sieben Jahren verließ, befand sich hier noch eine Ziegelei. Inzwischen ist hier aber eine ganze Reihe von Eigenheimen gebaut worden, deren Kaufpreis bei jeweils etwa 1 Mio. Dollar liegt. Lassen Sie uns doch einfach mal nachrechnen: Bei einem Eigenkapitalanteil von 10 Prozent und dem in Australien marktüblichen variablen Zinssatz von 5,1 Prozent würde es pro Jahr rund 67.000 Dollar kosten, die entsprechende Hypothek abzutragen. Bitte denken Sie aber daran, dass das durchschnittliche Bruttoeinkommen in Australien aktuell bei etwa 70.000 Dollar liegt. Sie sehen, wie schwierig es werden kann, eine solche Verbindlichkeit zu bedienen, falls die Hypothekenzinsen ebenso ansteigen sollten wie das allgemeine Zinsniveau. Und damit geht mein Aufenthalt hier in Sydney allmählich zu Ende. Es ist natürlich ziemlich ziemlich interessant, nach Hause zu kommen, sich umzuschauen und sich dabei insbesondere die Frage zu stellen, welches Schicksal Australien in den nächsten Jahren bevorstehen wird. Ich halte die Zukunftsaussichten Australiens wegen der aktuellen Entwicklung in China für ziemlich schwierig. Und denken Sie außerdem daran, was passiert ist, als die US-Notenbank in diesem Jahr eine Beendigung ihrer quantitativen Lockerungsmaßnahmen in Aussicht gestellt hat. Dabei gab es in der Folge nicht nur heftige Schwankungen an den australischen Devisenmärkten, sondern auch bei den Rohstoffpreisen. Falls die Fed ihre QE-Politik im Jahr 2014 also tatsächlich auslaufen lassen sollte, würde sich Australien der damit einhergehenden Verschärfung der Geldpolitik wahrscheinlich nicht entziehen können. Wenn Sie mich unbedingt auf eine Prognose festnageln möchten, dann würde ich es mit der demnächst beginnenden „Ashes“-Serie versuchen, bei der sich Australien und England auch in diesem Jahr wieder wieder auf dem Cricket-Spielfeld gegenüberstehen. Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass Australien dieses Duell auf heimischem Boden 5:0 gewinnen kann. Darauf können sich all die Australier da draußen wahrscheinlich dann freuen. Unter dem Strich bin ich aber der Meinung, dass es sich hier in Australien wirklich gut aushalten lässt. Inzwischen bin ich bereits wieder auf dem Weg zum Sydney Kingsford Smith Airport, um meinen Flieger Richtung London zu erwischen. Bis bald!