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Hallo, ich bin Anthony Doyle vom M&G-Anleihenteam, und ich befinde mich hier im kalten London. Gleich mache ich mich auf den Weg zum Flughafen Heathrow. Ich bin unterwegs in die derzeit „angesagteste“ Volkswirtschaft Südamerikas, die im letzten Jahr 4,6 Prozent gewachsen ist, eine Inflation von lediglich 1,6 Prozent hatte und sich einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote von momentan nur 6 Prozent erfreut. Ich fliege nach Santiago de Chile, um dort mehr über diese Volkswirtschaft sowie den größten Kupferproduzenten der Welt zu erfahren. Bei Chile denkt man meistens zuerst an Wein. Und das aus gutem Grund, denn von dort stammen ganz ausgezeichnete Weine. Natürlich exportieren die Chilenen jede Menge Wein in den Rest der Welt, aber das ist nicht ihr einziges Exportgut. Chile ist nämlich auch reich an Rohstoffen wie beispielsweise beispielsweise Kupfer. Dieser Umstand kam der chilenischen Wirtschaft zuletzt zweifellos zugute, und zwar wegen der hohen Nachfrage nach in Chile produzierten Gütern – und eben nicht nur nach Wein, sondern nach diesen Rohstoffen. Auch deshalb machen wir uns mittlerweile Sorgen um einen möglichen Konjunkturabschwung in China. Und jene, die den jüngsten Blog-Beitrag von Mike über das kräftige Wachstum des Privatsektors in China und den damit einhergehenden Anstieg des prozentualen Anteils der Privatverschuldung am BIP gelesen haben, wissen, dass diese Entwicklung auch bei uns die die Alarmglocken schrillen lässt. Denn falls sich diese Warnsignale bewahrheiten sollten und sich die chinesische Konjunktur von einem 10-prozentigen Wachstum auf Wachstumsraten von 8, 7 oder sogar nur noch 6 Prozent abschwächen sollte, hätte dies auch schwerwiegende Folgen für die chilenische Wirtschaft. Wir sorgen uns zwar um das Wachstum in China, fürchten gleichzeitig aber auch das hohe Leistungsbilanzdefizit der chilenischen Wirtschaft, das derzeit bei rund 2,5 Prozent des BIP liegt. Begleitet werde ich von Gonzalo Trejos von WAC. Gonzalo arbeitet eng mit vielen Pensionsfonds aus Chile zusammen. Meiner Meinung nach könnte das eine sehr gute Gelegenheit sein, Gonzalo einmal nach vielen der Trends zu fragen, die wir momentan in der chilenischen Pensionsfondsbranche identifizieren. Wie sind diese Fonds momentan beispielsweise positioniert? Derzeit halten sie ihre Engagements meistens in Investmentfonds... Aber wie sieht die Asset Allocation chilenischer Pensionsfonds aus? Was die Allokation der lokalen Komponente des Portfolios betrifft, so werden 60 Prozent des Portfoliovermögens hauptsächlich in lokale Anleihen, und zwar in erster Linie in inflationsgebundene Papiere, investiert. 20 Prozent der Mittel werden in lokale Aktien und die übrigen Gelder vor allem allem in Schwellenländeraktien und -anleihen geschleust. Und in den letzten vier Jahren nach dem Ausbruch der Finanzkrise haben die Pensionsfonds erstmals auch in Hochzinsanleihen aus den Industriestaaten investiert. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten chilenischer Pensionsfonds ein? Schließlich sind sie für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie diese an den globalen Finanzmärkten ziemlich große Akteure. Wird das Ihrer Meinung nach so bleiben? Unsere lokalen Aktien- und Anleihenmärkte sind sehr klein. Gleichzeitig ist die Liquidität im chilenischen Anleihensektor sehr hoch. Deshalb müssen wir viel Geld im Ausland investieren. Aus diesem Grund allokieren Pensionsfonds derzeit auch lediglich 40 Prozent ihres Gesamtvermögens an diesem Markt. In den nächsten Jahren wird dieser Anteil jedoch deutlich ansteigen. Deshalb ist die Gelegenheit, in chilenische Pensionsfonds zu investieren, derzeit günstig. Chile ist aber nicht nur wegen seiner guten Weine und wegen Kupfer interessant, sondern auch im Hinblick auf Anlagechancen und geschäftliche Aktivitäten. Inzwischen bin ich von meiner Reise nach Chile wieder zurück in London. Ich habe eine Volkswirtschaft kennen gelernt, die unter Volllast läuft, ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von etwa 5 Prozent vorlegt und trotzdem eine sehr, sehr niedrige Inflation aufweist. Und all dies spiegelt sich auch in der aktuellen Stärke des chilenischen Peso wider. Was die dortige Geldmarktpolitik betrifft, so ist ein Leitzins von 5 Prozent vermutlich zu niedrig. Die chilenischen Währungshüter befürchten jedoch einen Konjunkturabschwung in Europa und sorgen sich um die sich um die Auswirkungen auf die Wirtschaft ihres Landes, die damit einhergehen könnten. Unserer Meinung nach sollten sie sich allerdings mehr Sorgen um einen Konjunkturabschwung in China machen. Zumal wir den Anstieg der Privatverschuldung – insbesondere im Vergleich zum BIP - in China mit mit sehr, sehr großer Sorge beobachten. Und dies würde auch die chilenischen Exporte massiv beeinflussen – vor allem, weil Chile als kleine Exportnation in hohem Maße vom Wachstumszyklus in China abhängig ist.